50. Spielzeit | 2016/2017
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Grußwort des Theaterleiters
Christian Kreppel am 15. Februar 2017
Liebe Theater- und Konzertfreunde!

Wenn es um den Schweinfurter Spielplan mit 100 Programmpunkten und bis zu 170 Vorstellungen pro Saison geht, halte ich mich in der Regel als Alleinverantwortlicher immer mit wertenden Aussagen vornehm zurück. Beim jüngst erlebten Tanz-Gastspiel des Bundesjugendballetts Hamburg mit DanceWorks Chicago mache ich eine Ausnahme und möchte meiner Begeisterung Luft verschaffen, weil hier ein fantastisches Konzept verwirklicht wurde. Zwei junge Compagnien aus gänzlich unterschiedlichen Ländern und Kulturkreisen fanden zueinander und zeigten ihr Engagement und ihre Hingabe zum Genre Tanz. Unterschiedliche Ansätze waren zu erkennen und dann aber doch so viel tief verbindendes Gemeinsames. Berührend die Schlußchoreographie, in der sich die Compagnien nicht mehr sichtbar vermischten.

Ein wunderbares Beispiel von interkultureller Theaterarbeit, der ich mich seit Jahren ganz bewusst verschrieben habe. Auf der einen Seite will ich gezielt möglichst viele Menschen egal welcher Abstammung in Stadt, Region und darüber hinaus als Publikum erreichen. Andererseits sind zielgerichtet immer wieder Compagnien aus aller Welt zu Gast. Werfen wir einen Blick auf die letzten Monate unserer Jubiläumsspielzeit. Da gibt es Tanztheater aus Schwarzafrika, Algerien, Burkina Faso, Frankreich und England wie Folklore aus Georgien. Ebenfalls aus Georgien stammt die Weltklassegeigerin Lisa Batiashvili und ursprünglich aus Armenien ihre französiche Kollegin Chouchane Siranossian. Dann gibt es mit Verdis »Troubadour« ein italienisches Opernfest, eine Hommage an die»Carmen« des Franzosen George Bizet, das US-amerkanische Kultmusical von Irving Berlin »Annie get Yor Gun« und Operettenseligkeit mit »Gräfin Mariza« aus der Feder des Ungarn Emmerich Kálmán. Die jüdische Romanautorin Lily Brett hat mit ihrem Roman »Chuzpe« eine wunderbare Vorlage für eine Dramatisierung geliefert. Sie sehen also, ein bunter kreativer Reigen aus unterschiedlichsten Ländern wartet da auf das Publikum. Und macht nicht gerade das den großen Reiz der Kultur aus? Neues entdecken und erfahren, dazu lernen und sich so weiter entwickeln.

Umso erschreckender finde ich aktuelle Ereignisse in Altenburg/Gera und Dresden. Ich gebe unumwunden zu, diese Vorkommnisse machen mir Angst. Am Theater Altenburg/Gera haben Mitarbeiter und Künstler ihre Verträge nicht verlängert, weil sie mehrfach rassistisch beleidigt worden sind. In Dresden scheint sich die Stimmung regelrecht zu radikalisieren. Der OB Dirk Hilbert hatte aufgrund zweier temporärer Kunstwerke in der Stadt konkrete Morddrohungen erhalten. Die Dresdner Intendanten haben sich umgehend in einer Erklärung gegen Haß zu Wort gemeldet. Für Geras Oberbürgermeisterin Viola Hahn lebt das Theater von der Vielfalt der Nationen. Ein Blick in die sozialen Medien macht klar, dass es sich hier keinesfalls um Einzelfälle handelt, sondern sich vielmehr eine breite rechtslastige Öffentlichkeit organisiert und radikalisiert.

Vergessen wir bitte nie Artikel 5 unseres Grundgesetzes. Da heißt es unter anderem »Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.« Bleiben wir wachsam und wehren wir bitte in jedem Fall den Anfängen. Ich bin stolz darauf, zu diesem leider zeitlosen Thema im kommenden Frühjahr einen konkreten Beitrag leisten zu können. 2012 erschien der Debütroman von Timur Vermes »Er ist wieder da«, der ein Bestseller und in 38 Sprachen übersetzt wurde, 2015 folgte die Verfilmung. »Im Mittelpunkt steht: die allergrößte Bestie«, so Peter Kümmel in »Die Zeit« vom 05.10.2015. »70 Jahre nach seinem vermeintlichen Ende erwacht Adolf Hitler unversehrt im Berlin von heute – und greift erneut nach der Macht. Es ist der echte Tyrann, der sich, begleitet vom allgemeinen Wohlwollen, wieder unters Volk mischt – aber unter der irrigen öffentlichen Annahme, er sei nur ein Witzbold, ein Borderline-Comedian, der ansatzlos die tollsten ›Führer‹-Reden halten kann.« Dieser Hitler ist keine Witzfigur und gerade deshalb erschreckend real. Und das Land, auf das er trifft, ist es auch: zynisch, erfolgsgeil und trotz Jahrzehnten deutscher Demokratie vollkommen chancenlos gegenüber dem Demagogen und der Sucht nach Quoten, Klicks und »Gefällt mir!«-Buttons. Zu erwarten ist eine hemmungslose, erschreckende Mediensatire, die danach fragt, wo genau die Grenze des guten Geschmacks verläuft, oder ob sie ganz und gar abgeschafft wurde.

Etwas ganz anderes: Sie hören und lesen sicher immer wieder zum Thema Theatersanierung. Diese Maßnahme beschäftigt alle Betroffenen schon seit vielen Monaten. Generelle Entscheidungen zu Umfang und Zeitplan werden im Sommer getroffen. Wichtig für Sie: die 51. Theaterspielzeit ist so gut wie fertig geplant. Am 4. Mai wird das Programm dem Stadtrat vorgestellt und dann geht alles erneut seinen gewohnten Weg.

Ich bedanke mich an dieser Stelle wieder einmal bei allen Beteiligten hinter der Bühne und auch im Zuschauerhaus für das große Engagement und gute Miteinander. Und natürlich Ihnen, liebe Theater- freunde für Ihre Treue und kritische Zuwendung.

Auf ein Wiedersehen im Theater freut sich sehr

Ihr Christian Kreppel | Theaterdirektor
am 15. Februar 2017